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US-Enthüllungsjournalist: Brasilien klagt Greenwald an


Die brasilianische Staatsanwaltschaft hat den bekannten US-Journalisten Greenwald angeklagt. Er soll private Handynachrichten von Beamten gehackt haben, aus denen seine Website “The Intercept” zitierte.

Die brasilianische Justiz hat den bekannten Investigativ-Journalisten Glenn Greenwald wegen “Cyber-Kriminalität” angeklagt. Der US-Journalist sei Teil einer “kriminellen Organisation”, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Er soll demnach eine Hacker-Gruppe dabei unterstützt haben, auf die Handys von Justizminister Sergio Moro Staatsanwalt Deltan Dallagnol, Leiter der sowie von mit der riesigen Korruptionsaffäre “Lava Jato” (Autowäsche) befassten Ermittlern zuzugreifen.

Investigativ-Website zitierte aus Handynachrichten

Greenwald ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft einer von sieben Angeklagten in dem Fall. Ursprünglich war er nicht im Visier der Ermittler gewesen. Im Zuge der Untersuchungen sei jedoch belastendes Beweismittel gegen den Journalisten aufgetaucht, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Der ehemalige “Guardian”-Reporter ist einer der Gründer der Investigativ-Website “The Intercept”. Das Medium hatte in einem im vergangenen Jahr veröffentlichten Bericht über die Korruptionsaffäre “Lava Joto” aus den gehackten Handynachrichten zitiert. Diese erweckten den Eindruck, dass sich Richter und Staatsanwaltschaft bei den Ermittlungen gegen den ehemaligen linken Präsidenten Lula da Silva, die in einer Haftstrafe mündeten, illegal abgesprochen haben könnten.

Durch die Haft Lulas, der in den Umfragen geführt hatte, war der Weg für den rechten Politiker Jair Bolsonaro zum Sieg bei den Präsidentschaftswahlen 2018 in Brasilien frei geworden.

Die brasilianische Bundespolizei hatte die gleichen Beweise bereits geprüft und kein Fehlverhalten von Greenwald gefunden. Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs untersagte später die Ermittlungen gegen Greenwald und “The Brasil” im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Hacking.

“Angriff auf die Pressefreiheit”

Greenwald hatte sich vor Jahren einen Namen gemacht, als er maßgeblich an der Aufarbeitung der Unterlagen des Informanten Edward Snowden zu Abhörpraktiken des US-Geheimdienstes NSA beteiligt war. Die Vorwürfe gegen ihn wies der US-Amerikaner, der mit einem Brasilianer verheiratet ist, heftig zurück.

Es handele sich um “einen offensichtlichen Versuch, die freie Presse als Vergeltung für die Enthüllungen anzugreifen, die wir über Minister Moro und die Regierung Bolsonaro gebracht haben”, erklärte er auf Twitter. “Wir werden uns nicht vom Staatsapparat oder der Bolsonaro-Regierung einschüchtern lassen.”

Als scharfer Kritiker Bolsonaros und offen schwul lebender Mann ist er eine stark polarisierende Figur im politisch tief gespaltenen und zunehmend evangelikal-konservativ geprägten Brasilien.



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