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Studie bestätigt möglichen Einfluss der Darmflora auf die Psyche


Enger statistischer Zusammenhang zwischen bestimmten Bakteriengruppen und bakteriellem Stoffwechsel mit psychischer Gesundheit nachgewiesen

Darmbakterien kommunizieren mit dem Gehirn.

Darmbakterien kommunizieren mit dem Gehirn.

© geralt / pixabay.com, CC0 1.0 Universell (CC0 1.0), https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de

Leuven (Belgien) –

Das Gehirn des Menschen steht durch Nerven, Hormone und das Immunsystem in engem Kontakt mit der Darmflora. Doch die Kommunikation erfolgt in beiden Richtungen, denn auch die Darmmikroben beeinflussen Entwicklungs- und Stoffwechselprozesse, möglicherweise sogar Psyche und Verhalten ihres Wirtes. Jetzt konnten belgische Forscher einzelne Gruppen von Darmbakterien identifizieren, deren Vorkommen mit einem geringeren oder größeren Risiko für Depressionen und generellem Wohlbefinden verbunden ist. Aus genetischen Analysen schließen sie zudem, dass zahlreiche Bakterien des Darm-Mikrobioms neuroaktive Stoffwechselprodukte freisetzen, von denen sich einige als Neurotransmitter positiv oder negativ auf die psychische Gesundheit auswirken könnten, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt „Nature Microbiology“. Die Ergebnisse weiterer Forschungsarbeiten würden sich daher für Diagnose und Therapie psychischer Störungen möglicherweise als nützlich erweisen.

„Die Beziehung zwischen dem Stoffwechsel der Darmmikroben und der psychischen Gesundheit ist ein kontroverses Thema in der Mikrobiomforschung“, sagt Jeroen Raes von der Katholieke Universiteit Leuven. Hinweise darauf, dass mikrobielle Stoffwechselprodukte auf das Gehirn – und damit auf Emotionen und Verhalten – einwirken könnten, seien hochinteressant. Doch bisher hätte man die Darm-Hirn-Kommunikation überwiegend in Tierversuchen und kaum beim Menschen erforscht. Die Arbeitsgruppe von Raes wertete Daten von 1054 Belgiern aus, deren Darmflora vollständig analysiert worden war. Zusätzlich standen Befunde von Ärzten über depressive Störungen zur Verfügung und jeder Einzelne gab Auskunft über seine körperliche Gesundheit, das emotionale Befinden und die Zufriedenheit mit seinem Sozialleben.

Es ergab sich ein enger statistischer Zusammenhang zwischen der Diagnose von Depressionen und verminderten Keimzahlen von Bakterien der Gattungen Coprococcus und Dialister. Diese Beziehung war unabhängig von der Einnahme eines Antidepressivums. Menschen mit einem hohen Anteil an Faecalibacterium- und Coprococcus-Arten, die Buttersäure bilden, stuften ihre Lebensqualität höher ein als andere. Bei denen, die gegen Depressionen behandelt wurden, kamen größere Mengen an Butyricicoccus-Arten vor. Die Resultate bestätigten sich bei einer weiteren Gruppe von 1063 Menschen.

Schließlich suchten die Forscher in den Genomen von 532 Arten der Darmbakterien nach Genen, die die Produktion oder den Abbau von 56 neuroaktiven Substanzen steuern. Ihre spezielle Analysetechnik ergab, dass zahlreiche Mikroben über solche Gene verfügen, die unter anderem zur Bildung des Neurotransmitters Gamma-Aminobuttersäure (GABA) führen oder zu einem Abbauprodukt des Dopamins. „Im menschlichen Darm werden zahlreiche neuroaktive Verbindungen produziert“, sagt Erstautorin Mireia Valles-Colomer. „Wir wollten untersuchen, welche Keimarten solche Moleküle freisetzen, abbauen oder verändern.“ Dann könnte eine gestörte Darmflora als Ursache psychischer Störungen erkannt und ein Patient gezielt behandelt werden. Noch steht allerdings der definitive Nachweis kausaler Beziehungen aus.



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