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Sexuelle Orientierung ist nicht an den Genen ablesbar


Das menschliche Sexualverhalten wird durch Umweltfaktoren und zahlreiche, über das ganze Genom verteilte Gene bestimmt

Symbolische Darstellung sexueller Diversität von Menschen

Symbolische Darstellung sexueller Diversität von Menschen

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Cambridge (USA) –

Für die sexuelle Orientierung des Menschen sind zwar auch die Gene von Bedeutung, doch ein Schwulen- oder Lesben-Gen gibt es nicht. Entscheidend für die Form menschlicher Sexualität sind neben Umweltfaktoren zahlreiche Gene, von denen jedes einzelne nur einen sehr geringen Einfluss hat, berichtet jetzt ein internationales Forscherteam im Fachjournal „Science“. Demnach lassen sich Homo- und Bisexualität nicht durch eine Erbgutanalyse nachweisen. Die Resultate der umfangreichsten genetischen Untersuchung zu diesem Thema bestätigen die Komplexität des menschlichen Sexualverhaltens, das nicht auf die Aktivität einiger weniger Gene zurückzuführen ist.

„Unsere Ergebnisse liefern Hinweise auf die biologischen Grundlagen gleichgeschlechtlicher sexueller Beziehungen“, sagt Andrea Ganna vom Broad Institute in Cambridge. Es sollten daraus aber keine voreiligen Schlussfolgerungen gezogen werden, da die bisher vorliegenden genetischen Analysen noch unvollständig seien und das komplexe menschliche Verhalten nicht erklären können. Für ihre Studie teilten die Forscher die Testpersonen in nur zwei Gruppen ein: in diejenigen, die sich als strikt heterosexuell bezeichneten, und solche, die mindestens einmal sexuelle Kontakte mit einem gleichgeschlechtlichen Partner hatten. Die Autoren stellen ausdrücklich fest, dass durch diese Vereinfachung nicht das gesamte Spektrum sexuellen Verhaltens erfasst wird.

Aus Zwillingsstudien war bereits bekannt, dass die Neigung zu sexuellen Beziehungen mit Menschen des eigenen Geschlechts erblich beeinflusst ist. Das bestätigte nun auch die neue Studie durch einen Vergleich der Genomdaten von 477.522 Frauen und Männern aus Großbritannien und den USA, die Angaben zu ihrem Sexualleben gemacht hatten. In der Gruppe der Briten waren es mehr Männer als Frauen und mehr Jüngere als Ältere, die von homosexuellen Beziehungen berichteten. Eng Verwandte stimmten mit höherer Wahrscheinlichkeit in ihrer sexuellen Orientierung überein als nicht miteinander verwandte Menschen. Insgesamt ergab sich für dieses Merkmal eine Erblichkeit von 32 Prozent. Der Anteil von Homo- und Bisexuellen in der Gesamtbevölkerung wird auf zwei bis zehn Prozent geschätzt.

Bei der Suche nach einzelnen Genen, die das Sexualverhalten beeinflussen, identifizierten die Forscher fünf Genvarianten, die bei Menschen mit homosexuellen Neigungen öfter vorkamen als bei den anderen. Zwei der Gene spielten bei Männern und Frauen gleichermaßen eine Rolle, zwei waren nur bei Männern von Bedeutung. Die Aktivitäten einiger dieser Gene stehen im Zusammenhang mit dem Geruchssinn und der Produktion von Sexualhormonen, was auf biologische Funktionen hinweist, die Grundlage des Sexualverhaltens sein könnten. Doch zusätzlich fanden sich über das ganze Genom verteilt zahlreiche weitere Gene mit jeweils nur schwachem Einfluss. Diese Befunde reichten nicht aus, um eine Gensignatur zu erstellen, die für nicht heterosexuelle Menschen typisch wäre. Insgesamt ließen sich nur 8 bis 25 Prozent der Unterschiede in der sexuellen Orientierung auf Genvarianten zurückführen. Die Forscher gehen davon aus, dass die individuelle sexuelle Orientierung das Ergebnis von Wechselwirkungen zwischen soziokulturellen Einflüssen und genetischen Merkmalen ist.



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