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Serotoninmangel als gemeinsame Ursache von Verstopfung und Depression


Eine zu geringe Produktion des Neurotransmitters stört Funktionen von Nervenzellen in Darm und Gehirn – Anhebung des Serotoninspiegels könnte neue Therapieform ermöglichen

Serotonin spielt als Neurotransmitter im Zentralnervensystem und im Darmnervensystem eine wichtige Rolle.

Serotonin spielt als Neurotransmitter im Zentralnervensystem und im Darmnervensystem eine wichtige Rolle.

© Emeldir / Wikimedia Commons, gemeinfrei

New York (USA) –

Jeder dritte Mensch mit chronischer Verstopfung leidet auch unter Depressionen. Bekannt ist zudem ein Zusammenhang zwischen degenerativen Hirnerkrankungen und einer gestörten Darmfunktion. Eine Ursache für diese Verbindung könnte die ungenügende Produktion des Botenstoffs Serotonin in Nervenzellen von Darm und Gehirn sein, berichten jetzt amerikanische Mediziner im Fachblatt „Gastroenterology“. In Experimenten mit Mäusen ist es ihnen gelungen, durch einen Wirkstoff, der den Serotoninspiegel erhöht, sowohl chronische Verstopfungen als auch depressives Verhalten erfolgreich zu behandeln. Ob die Therapie auf den Menschen übertragbar ist, müssen klinische Studien noch zeigen.

„Der Darm wird oft als ‚zweites Gehirn‘ des Körpers bezeichnet“, sagt Kara Gross Margolis von der Columbia University in New York. „Das Nervensystem des Darms enthält mehr Neuronen als das Rückenmark und viele der genutzten Neurotransmitter sind dieselben, die auch im Gehirn vorkommen.“ Daher wäre es nicht überraschend, wenn Fehlfunktionen von Darm und Hirn die gleiche Ursache hätten. Der Neurotransmitter Serotonin beeinflusst sowohl die Stimmung als auch die Darmfunktion. Bei Patienten mit depressiven Störungen ist die Serotoninproduktion im Gehirn geringer als bei Gesunden. Das könnte auf einem defekten Enzym beruhen, das für die Bildung von Serotonin sorgt. Tatsächlich wurde bei Menschen mit schweren Depressionen ein verändertes Gen gefunden, das für diese Fehlfunktion verantwortlich sein könnte.

Margolis und ihre Kollegen arbeiteten mit Mäusen, die eine ähnliche Genmutation trugen, was einen um 60 bis 80 Prozent geringeren Serotoninspiegel im Gehirn und einen Serotoninmangel im Nervensystem des Darms bewirkte. Die Folgen waren eine verringerte Zahl an Darmneuronen, beeinträchtigte Darmmotilität und Verstopfungen. Außerdem zeigten die Tiere Merkmale depressiven Verhaltens. Um den Serotoninmangel auszugleichen, verabreichten die Forscher den Mäusen mit dem Futter einen Vorläufer des Neurotransmitters (5-Hydroxytryptophan), der unabhängig vom defekten Enzym zu Serotonin umgewandelt werden kann. Da dieser Vorläufer sehr instabil ist, wurde eine Darreichungsform entwickelt, die den Wirkstoff verzögert über einen längeren Zeitraum freisetzt.

Die Behandlung regte die Bildung neuer Darmneuronen an, verbesserte die Darmfunktion und normalisierte das depressive Verhalten. „Auch mit dem Alter sinkt die Zahl der Neuronen im Darm und das könnte eine Ursache für Verstopfungen bei älteren Menschen sein“, sagt Margolis. Daher wäre eine neuartige Therapieform denkbar, bei der man den Serotoninspiegel erhöht, so dass sich neue Neuronen entwickeln können. Die Forscher planen nun klinische Studien, um die Wirksamkeit ihrer Behandlung für Menschen zu prüfen, die entweder unter therapieresistenten Depressionen oder chronischen Verstopfungen leiden.



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