Nachrichten-Portal

Schwangerschaften: Führt eine Geburt in der Familie wirklich zu einer Kettenreaktion?



Anstecken können wir uns, das wissen wir in Zeiten des Coronavirus nur allzu gut, über Tröpfchen, Verunreinigungen, Wasser etwa. Dass man so nicht schwanger wird, ist selbst schon Kindern klar. Dennoch scheint es mit Blick in Büros und Großfamilien mitunter so, als seien Schwangerschaften ansteckend. Im schwedischen Königshaus etwa kamen innerhalb von sechs Jahren sieben Enkel der Königin Silvia auf die Welt – von drei erwachsenen Kindern.

Doch gibt es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Schwangerschaften von Geschwistern und Kollegen? Oder ist das nur eine gefühlte Wahrheit? Lassen wir uns bei so großen Lebensentscheidungen wie der Elternschaft wirklich vom Kollegen beeinflussen?

Suche beim Arbeitgeber

Diesen Fragen sind Wissenschaftler um die Familienforscherin Henriette Engelhardt-Wölfler von der Universität Bamberg nachgegangen. Für ihre Untersuchung nutzte das Team Registerdaten aus den Niederlanden, die sowohl Angaben über Geschwister als auch über Arbeitgeber enthalten. “Dort hat jede Person eine Art Identifikationsnummer”, sagt Engelhardt-Wölfler. “Die Geschwister sind verzeichnet, und selbst die Arbeitsstelle hat eine Betriebsnummer.” Eine vergleichbare Studie wäre in Deutschland schon allein aus Datenschutzgründen nicht möglich.

Mit den Daten von Niederländern mit entweder einer Schwester oder einem Bruder, die zwischen 1970 und 1979 geboren worden waren, berechneten die Forscher den äußeren Einfluss auf die Familienplanung zwischen 2005 und 2015. Insgesamt kamen für die Analyse die Daten von 72.703 Menschen zusammen, wie die Forscher im Fachblatt “Demography” berichten.  

Den Ergebnissen zufolge kann die Geburt eines Kindes im Familien- und Kollegenkreis tatsächlich zu einer Art Kettenreaktion bei der Familienplanung führen. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau schwanger wird, steigt, wenn eine Kollegin ein Baby bekommt. Wird die Frau tatsächlich selbst schwanger, kann das wiederum ihre Geschwister beeinflussen – die wiederum Einfluss auf die Familienplanung ihrer Kollegen haben können.

“Diese Kettenreaktion war für uns wirklich neu”, erklärt Engelhardt-Wölfler. Am stärksten sei der Kinderwunsch im dritten Jahr, nachdem die Kollegin Mutter geworden sei. “Die starken Effekte finden wir vor allem unter Frauen.”

Süße Nichten und Neffen

Welche Mechanismen den beobachteten Effekten zugrunde liegen, zeigt die Studie nicht. Auch können die Daten keinen Aufschluss darüber geben, welche Rolle die vorgelebten Entscheidungen der eigenen Eltern auf die Familienplanung haben, ebenso sind andere Einflussfaktoren denkbar, die die Analyse nicht berücksichtigen konnte. Und trotz der großen Datenbasis beschränken sich die Ergebnisse auf Menschen, die entweder nur eine Schwester oder nur einen Bruder haben.

Die Untersuchung legt jedoch nahe, dass auch Geschwister mit ihrem Elternglück den Wunsch nach einem eigenen Baby verstärken. Auch das gilt vor allem bei Frauen. Durch die emotionale Nähe sei die Wirkung im ersten Jahr nach der Geburt des Neffen oder der Nichte am stärksten, vermutet Engelhardt-Wölfler. Ob Prinzessin Victoria, Prinz Carl Philipp und Prinzessin Madeleine ihr recht geben würden?

Icon: Der Spiegel



Source link

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

© 2019 NASEOBLOG - Alle Rechte vorbehalten