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Partnerwahl: Weibliche Wellensittiche bevorzugen intelligente Männchen


Weibchen erkennen kognitive Fähigkeiten eines potenziellen Partners daran, wie er Probleme bei der Futtersuche meistert

Wellensittiche sind eine in Australien häufig vorkommende Papageienart.

Wellensittiche sind eine in Australien häufig vorkommende Papageienart.

© webandi / pixabay.com, CC0 1.0 Universell (CC0 1.0), https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de

Peking (China) –

Viele weibliche Singvögel entscheiden sich bei der Partnerwahl für das Männchen mit dem anspruchsvollsten Gesang. Denn wer schwierigste Melodien beherrscht, ist besonders intelligent und kann auch seine Brut besser schützen und versorgen als andere. Nach dieser Hypothese Darwins dient der Gesang als indirektes Erkennungsmerkmal für generelle kognitive Fähigkeiten. Die daraus resultierende sexuelle Selektion begünstigt die Evolution höherer Intelligenz. Experimente chinesischer und niederländischer Biologen bestätigen nun diesen Zusammenhang, wie das Fachjournal „Science“ berichtet. Die Forscher fanden heraus, dass weibliche Wellensittiche kognitive Leistungen eines Männchens auch auf direktem Weg einschätzen können: Die Vögel beobachteten das Verhalten eines potenziellen Partners bei einer schwierigen Nahrungsbeschaffung und wählten denjenigen, der die Aufgabe erfolgreich bewältigte.

„Wir stellten die Hypothese auf, dass Weibchen die Männchen bevorzugen, die sich bei der Nahrungssuche besonders intelligent verhalten“, schreiben die Wissenschaftler um Yue-Hua Sun von der Chinese Academy of Sciences in Peking. In ihren Experimenten stellten sie männlichen Wellensittichen die Aufgabe, an Futter zu kommen, das in durchsichtigen Behältern eingeschlossen war. Im einfacheren Fall verhinderte lediglich ein Deckel auf einer Petrischale den Zugang zu den Körnern. Im anderen Fall musste zuerst ein Deckel entfernt, dann eine Seitenwand geöffnet und schließlich ein kleiner Behälter herausgezogen werden, um die Nahrung zu erreichen. Untrainierte Vögel waren dazu nicht in der Lage.

Vor Beginn der Experimente beobachteten die Biologen Dreiergruppen aus jeweils einem Weibchen und zwei Männchen. Das Männchen, in dessen Nähe das Weibchen mehr Zeit verbrachte, wurde als der „bevorzugte“ Partner identifiziert. Dann absolvierte das andere Männchen ein Training und lernte so, beide Futterschalen zu öffnen. Danach beobachtete das Weibchen, wie sich das nicht trainierte „bevorzugte“ Männchen vergeblich bemühte, an das Futter in den verschlossenen Schalen heranzukommen, während das andere Männchen dabei schnell zum Ziel kam. Anschließend fühlte sich das Weibchen stärker zu dem anfangs nicht bevorzugten aber anscheinend intelligenteren Männchen hingezogen. Es hatte seine Meinung geändert und sich für den Partner entschieden, der bei der Nahrungsbeschaffung erfolgreicher war.

Unter natürlichen Bedingungen füttert das Weibchen die Jungen und das Männchen beschafft Nahrung für das Weibchen. Ein Brutpartner, der bei dieser Aufgabe aufgrund besserer kognitiver Leistungen besonders erfolgreich ist, sichert das Überleben der Brut und steigert damit die biologische Fitness des Paares. Wie ein Kontrollexperiment zeigte, ändert das Weibchen die Wahl des Partners nicht, wenn das nicht bevorzugte Männchen lediglich beim Fressen der Körner, nicht aber beim Öffnen der Schale beobachtet wurde. Auch wenn die gleichen Experimente mit rein weiblichen Dreiergruppen abliefen, blieb das Weibchen bei seiner anfangs getroffenen Wahl – in diesem Fall die „bevorzugte Freundin“.

Zukünftige Untersuchungen müssten klären, wie verbreitet diese Form der sexuellen Selektion im Tierreich ist, schreiben die Autoren. „Wer – wie Wellensittiche und Menschen – intelligentes Verhalten von Artgenossen imitieren kann, würde in besonderem Maße davon profitieren, wenn Unterschiede in den geistigen Fähigkeiten potenzieller Partner erkannt werden könnten.



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