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Killerwale bestätigen Großmutter-Hypothese – Wissenschaft aktuell


Nach der Menopause beteiligen sich ältere Orca-Weibchen an der Versorgung der Kinder ihrer Töchter und steigern damit die biologische Fitness der Familie – ganz ähnlich war es wohl auch bei der Evolution des Menschen

Großer Schwertwal (Orcinus orca), Alter 72 Jahre

Großer Schwertwal (Orcinus orca), Alter 72 Jahre

© Kenneth Balcomb, Center for Whale Research

York (Großbritannien) –

Das gibt es nur bei Menschen und einigen Arten von Zahnwalen: Ältere Weibchen werden unfruchtbar, leben aber noch jahrelang weiter. Der Nutzen der Menopause für die frühen Menschen könnte darin bestanden haben, dass Großmütter ihre Töchter bei der Versorgung des Nachwuchses unterstützen und damit die Überlebenschancen ihrer Enkel verbessern konnten. Eine Bestätigung dieser Großmutter-Hypothese fanden britische Biologen jetzt bei Großen Schwertwalen (Orcinus orca), auch Orcas oder Killerwale genannt. Die Meeressäuger bleiben ihr Leben lang eng verbunden mit ihren Müttern. Wenn ein älteres Weibchen stirbt, sinkt die Überlebensrate ihrer Enkel, berichten die Forscher im Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)“. Dieser Effekt war ausgeprägter, wenn sich das Weibchen nicht mehr um eigene Jungen kümmern musste und wirkte sich in Jahren mit geringem Nahrungsangebot besonders stark aus. Auf welche Weise die Weibchen ihre Enkel unterstützen, wird nun genauer untersucht.

„Wie unsere Ergebnisse zeigen, hat die Evolution der Menopause bei den Walen dazu geführt, dass eine Großmutter ihren Enkeln besser helfen kann“, sagt Daniel Franks von der University of York. Weibliche Killerwale werden mit etwa 40 Jahren unfruchtbar. Sie leben aber nach der Menopause meist noch zehn bis 20 Jahre. Wenn sie keine eigenen Jungen mehr versorgen müssen – so die Annahme – könnten sie mehr Zeit und Energie aufbringen, um sich um die Jungen ihrer Töchter zu kümmern. Hinzu kommt, dass die Jungen älterer Weibchen geringere Überlebenschancen haben als die der jüngeren Weibchen. Auch deshalb könnte es sich im Lauf der Evolution als vorteilhaft für den Fortpflanzungserfolg erwiesen haben, dass Weibchen im Alter auf eigenen Nachwuchs verzichten und sich stattdessen für den Nachwuchs ihrer Töchter einsetzen.

Die Forscher werteten Daten aus zwei Gruppen von Killerwalen aus, die vor der Nordwestküste der USA und Kanadas lebten. Jede Gruppe bestand aus mehreren Familienverbänden. Analysiert wurden die Überlebensraten von 378 Walen, die im Zeitraum von etwa 40 Jahren geboren wurden und deren Großmütter mütterlicherseits bekannt waren. Dabei berücksichtigten die Biologen den jährlich schwankenden Bestand an Lachs, eine wichtige Nahrungsquelle der Orcas. Innerhalb von zwei Jahren nach dem Tod einer Wal-Großmutter sanken die Überlebensraten ihrer Enkel. Starb das Weibchen noch vor der Menopause, war der negative Effekt für die Enkel geringer als bei einem späteren Tod. Zudem hatte der Tod der Großmutter umso schlimmere Folgen, je knapper der Lachsbestand war.

Daraus schließen die Forscher, dass Weibchen nach der Menopause verstärkt dabei helfen, ihre Enkel mit Nahrung zu versorgen. Wie genau sie das tun, sollen derzeit laufende Beobachtungen mit Drohnen erweisen. Bekanntlich nützen ältere Weibchen ihrer Familie und der ganzen Gruppe, indem sie eine führende Rolle bei der Jagd übernehmen. Die Bedeutung dieser Funktion wächst bei geringerem Nahrungsangebot. „Da die Lachsbestände weiterhin abnehmen“, sagt Franks, „wird wahrscheinlich die Rolle der Großmütter für die Killerwalpopulationen immer wichtiger werden.“



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