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Hunde teilen den Stress – Wissenschaft aktuell


Die Haustiere übernehmen nicht nur akute Stresszustände, sondern auch den Langzeit-Stresspegel von ihrem Besitzer

Der Border Collie wird als „aufgeweckt, aufmerksam, empfänglich, intelligent, weder nervös noch aggressiv“ beschrieben.

Der Border Collie wird als „aufgeweckt, aufmerksam, empfänglich, intelligent, weder nervös noch aggressiv“ beschrieben.

© Matteo Gossi / Wikimedia, public domain

Linköping (Schweden) –

Stress ist ansteckend. Sowohl bei Menschen als auch bei in Gruppen lebenden Tieren überträgt sich die akute Gereiztheit eines Einzelnen schnell auf die Artgenossen. Eine solche Anpassung ist aber auch bei Langzeitstress und sogar zwischen verschiedenen Spezies möglich, wie schwedische Forscherinnen jetzt im Fachblatt „Scientific Reports“ berichten. Sie stellten fest, dass Hunde das eigene Stressniveau – über einen längeren Zeitraum gemessen – mit dem ihrer Besitzer synchronisieren. Zudem ergab sich ein Zusammenhang zwischen bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen des Menschen und dem Gehalt am Stresshormon Kortisol in den Haaren des Hundes. Umgekehrt gab es keine Hinweise darauf, dass sich Wesensmerkmale des Hundes auf den Stresszustand des Menschen auswirken.

„Unseres Wissens ist das die erste Studie, die eine Synchronisierung von Langzeitstress zwischen zwei Spezies nachweist“, erklären Lina Roth und ihre Kollegen von der Universität Linköping. Die Ergebnisse seien ein weiterer Beleg für die seit mindestens 15.000 Jahren bestehende enge Beziehung zwischen Mensch und Hund. Es war bekannt, dass sich akute Stresszustände vom Menschen auf seinen Hund und umgekehrt übertragen, was durch einen vorübergehenden Anstieg des Kortisolspiegels in Blut oder Speichel messbar ist. Im Haar abgelagertes Kortisol dagegen dient als Merkmal für Langzeitstress. So wurden synchrone Veränderungen der Kortisolkonzentration im Haar während einer längeren Zeitspanne beispielsweise bei Müttern und ihren Kindern nachgewiesen.

Für ihre Studie ermittelte das Forscherteam durch je eine Messung im Sommer und Winter Kortisolwerte in den Haaren von 58 Hunden (Shetland Sheepdogs und Border Collies) und ihren Besitzerinnen. Die Hunde waren im Schnitt 4,7 Jahre alt, die Frauen durchschnittlich 46 Jahre. Mit Hilfe zweier Fragebögen machten die Hundebesitzerinnen Angaben, die über eigene Persönlichkeitsmerkmale (Aufgeschlossenheit, Gewissenhaftigkeit, Geselligkeit, Verträglichkeit und emotionale Labilität) und die ihres Haustieres (zum Beispiel Gehorsamkeit, Aggressivität und Ängstlichkeit) Auskunft gaben. Ein Messgerät am Halsband registrierte eine Woche lang die Bewegungsaktivität des Hundes, da diese eine Kortisolfreisetzung beeinflussen kann.

Für beide Jahreszeiten lieferten die Haaranalysen Kortisolwerte, die für eine synchrone Stressbelastung von Mensch und Hund sprechen. Die Aktivität des Hundes hatte keinen Einfluss auf den Langzeit-Stresspegel. Doch für bestimmte Persönlichkeitsmerkmale des Menschen ergab sich ein enger Zusammenhang mit dem Kortisolwert des Hundes: Je stärker die emotionale Labilität, desto geringer die Kortisolkonzentration. Eine mögliche Erklärung dafür wäre nach Ansicht der Autorinnen, dass emotional sehr labile Menschen besonders enge Bindungen zu ihrem Hund haben, die sich stressmindernd auswirken. Dagegen erwies sich der Kortisolgehalt im Hundehaar als umso höher, je stärker Gewissenhaftigkeit und Aufgeschlossenheit waren. Die ermittelten Zusammenhänge waren bei weiblichen Hunden enger als bei männlichen. Wesensmerkmale des Hundes wirkten sich kaum auf dessen Kortisolwerte aus. Insgesamt sprechen die Ergebnisse dafür, dass sich der Stresspegel des Hundes auf den der Hundebesitzerin einstellt und nicht umgekehrt.



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