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Hudson Yards in New York: Größer, höher, teurer


Es gilt als eines der spektakulärsten Bauprojekte in den USA: Nun wurde das neue New Yorker Luxusviertel Hudson Yards eröffnet. Viele Anwohner sehen das Projekt allerdings skeptisch.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Rekorde gewünscht? Bitteschön – das größte private Immobilienprojekt in der Geschichte der USA. So beschreibt es Jay Cross, Präsident des Investors, der Immobilienfirma Related Companies.

Es ist eine Stadt in der Stadt, mit einer Fläche in etwa so groß wie die Innenstadt von Seattle. Baukosten: 25 Milliarden Dollar. Mehr als 100 Geschäfte, mehr als 20 Restaurants, ein 500-Millionen-Dollar-Kulturzentrum. All das auf einem gigantischen Deckel über 30 immer noch aktiven Bahngleisen. Ein lange geplanter Hoffnungsträger nach dem Terror von 2001.

Der Bau – eine echte “Flickarbeit”

Eine Leerstelle, die nun gefüllt wurde, so nennt es Geoff Butler von Related Companies – und eine Meisterleistung der Ingenieurskunst:

“Der Bahn-Betriebshof ist rund um die Uhr im Einsatz, sieben Tage die Woche. Wir konnten immer nur einige wenige Gleise schließen, Fundamente legen und dann weiter zum nächsten Abschnitt. Stück für Stück – eine Flickarbeit, bei der die Abdeckung entstand, auf der wir schließlich bauen konnten.”

Wohn- und Bürohochhäuser mit bis zu 75 Etagen. Eine Shopping Mall, die in dieser Luxuswelt aber “vertikales Einkaufen” heißt. Der größte Blickfang aber ist fraglos das “Vessel”, das Gefäß von Thomas Heatherwick, Star-Designer aus Großbritannien. Dort hat er schon mit einer sich aufrollenden Brücke für Furore gesorgt und den neuen Londoner Doppeldeckerbus entworfen.

Anderthalb Kilometer Treppen ins Nirgendwo

In New York ist sein jüngstes Werk nun Teil der Skyline. Es ist Architektur als Skulptur, eine Treppenlandschaft von anderthalb Kilometern Länge, die sich in die Höhe emporschwingt – die von Escher inspiriert scheint und nirgendwo hinführt. Mit einem Preisschild von 200 Millionen Dollar.

Heatherwicks Partner, Stuart Wood, beschreibt das Bauwerk so:

“Die Idee dahinter ist einen Versammlungsort zu schaffen, das Herz von Hudson Yards. Unser Job war es, Leute hierher zu holen und sie hier zu halten. Etwas sehr Intensives für sie zu schaffen. Dann haben wir über soziale Orte wie Amphitheater nachgedacht, ins Rund gebaute Theater. So ist das ‘Vessel’ ein dreidimensionaler öffentlicher Raum geworden.”

Architekturkritiker Justin Davidson vom “New York Magazine” spricht angesichts der Hudson Yards von einer Fantasiestadt von Milliardären. Alles gebe es dort, nie müsse man sie verlassen – vorausgesetzt, man habe genug Geld in der Tasche: “Das Konzept – nicht nur für das Einkaufszentrum, sondern auch für den ganzen öffentlichen Raum – ist eine reine Marken-Welt. Und die Marke hier lautet Related, also die Immobilienfirma dahinter. Das Ganze hat so eine feingeschliffene Luxus-Qualität.”

Milliarden an öffentlichen Geldern investiert

James Parrott von New Yorks Universität New School ist begeistert von der innovativen Erfindung einer Stadt über Bahngleisen. Zugleich aber kritisiert er, dass Milliarden an öffentlichen Geldern geflossen seien. Mehr als doppelt so viel, als Amazon je erhalten hätte, hat die “New York Times” zuletzt vorgerechnet: 

“Die Stadt hat massive Immobilien-Steuererleichterungen gewährt, und das für sehr reiche Unternehmen. Dabei hätten die Infrastruktur-Investitionen ausgereicht, um genug Entwickler anzulocken. Die Steuererleichterungen waren für sie nur das I-Tüpfelchen.”

Subventionen, Steuererleichterungen und Luxus-Marken. Der aus Mexiko stammende Architektur-Student Ricardo denkt darüber gerade nicht nach – er sitzt am Fuße der Treppenskulptur und ist einfach nur gebannt.



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