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Grönland-Gletscher schmilzt von unten – Wissenschaft aktuell


 Im Sommer 2016 fuhr das Forschungsschiff Polarstern bis zur Gletscherkante des 79° Nord Gletscher im Nordosten Grönlands. Der Wind hatte das Meereis weggedrückt, so dass diese sonst eisbedeckte Region für eine Woche komplett eisfrei war.

Im Sommer 2016 fuhr das Forschungsschiff Polarstern bis zur Gletscherkante des 79° Nord Gletscher im Nordosten Grönlands. Der Wind hatte das Meereis weggedrückt, so dass diese sonst eisbedeckte Region für eine Woche komplett eisfrei war.

© Nat Wilson / AWI

Bremerhaven –

Schmelzende Grönland-Gletscher zeichnen etwa für ein Viertel des Anstiegs des Meeresspiegels verantwortlich. Um dieses Risiko im Zuge der globalen Erderwärmung genauer abschätzen zu können, sind detaillierte Einblicke in die glazialen Schmelzprozesse nötig. Deutsche und britische Ozeanographen entdeckten nun, dass eine besonders große Gletscherzunge nicht nur an der Oberfläche, sondern auch an ihrer Unterseite immer schneller abschmilzt. Wie sie in der Fachzeitschrift „Nature Geoscience“ berichten, liegt die Ursache in einer schnellen Strömung relativ warmen Ozeanswassers.

Janin Schaffer und ihre Kollegen vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven untersuchten auf einer Grönland-Expedition mit dem Forschungsschiff Polarstern den Meeresboden und Wasserströmungen im Nordosten der weltgrößten Insel. Dabei analysierten sie sowohl die Topologie des Meeresbodens als auch Geschwindigkeiten und Temperaturen des Strömungen unter einer etwa 80 Kilometer langen, auf dem Meer schwimmenden Gletscherzunge – „79°-Nord-Gletscher“ genannt. Gerade diese Zunge hat sich seit 20 Jahren dramatisch verdünnt, weil sie zugleich an der Ober- und an der Unterseite taut.

„Im Nordosten Grönlands rauscht vergleichbar warmes Ozeanwasser hinter einer Bodenschwelle mit hohen Strömungsgeschwindigkeiten direkt unter Grönlands längste Gletscherzunge“, sagt Schaffer. „Wir konnten zeigen, dass die Stärke des ozeanischen Wärmetransportes einer Wärmeleistung entspricht, die mehr als 8000-mal so hoch ist, wie die des Heizkraftwerks meiner Heimatstadt Schwerin.“ Am Meeresboden machten die Forscher einen etwa zwei Kilometer breiten Graben aus, in dem in der Tiefe relativ warmes Wasser aus dem Atlantik wie in einem Kanal auf den Gletscher zuströmt. So verursacht der Ozean ein erhebliches Schmelzen an der Gletscherunterseite. Zugleich fließen große Eismassen vom bis zu 3400 Meter dicken, grönländischen Eispanzer nach, so dass die Größe der Gletscherzunge weiterhin relativ konstant bleibt.

Detailmessungen zeigten, dass die Dicke der Warmwasserschicht vor und unter dem „79°-Nord-Gletscher“ in den vergangenen 20 Jahren immer wärmer und mächtiger geworden ist. Ein ähnliches Phänomen trat auch in einer benachbarten Region an der Ostküste Grönlands auf, wo sich der Gletscher „Zachariæ Isstrøm“ ins Meer schiebt. Diese Messungen passen zu der bereits bekannten Tatsache, dass das grönländische Eis heute siebenmal schneller taut als noch in den 1990er-Jahren. „Wenn sich dieser Prozess weiter verstärkt, wird in Zukunft mehr Eismasse vom Festland über den nordostgrönländischen Eisstrom, über den ein Fünftel des gesamten grönländischen Eisschildes abfließen, in den Ozean transportiert werden“, sagt Schaffer. Diese Ergebnisse machen es in Zukunft leichter, die Gesamtmenge an Schmelzwasser zu bestimmen, die der grönländische Eispanzer in jedem Jahr verliert.



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