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Gesunde Lebensweise – geringeres Demenzrisiko: auch bei schlechten Genen


Der Lebensstil könnte helfen, die Wahrscheinlichkeit einer Demenz unabhängig von der genetischen Vorbelastung zu senken

Exeter (Großbritannien) –

Das Risiko, an Alzheimer oder einer anderen Form der Demenz zu erkranken, hängt zum einen von bestimmten Genen ab. Doch zum anderen beeinflusst auch die Lebensweise die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung. Jetzt hat eine britische Studie ergeben, dass selbst bei starker genetischer Vorbelastung ein gesunder Lebensstil das Demenzrisiko um etwa ein Drittel senken könnte. Nicht rauchen, wenig Alkohol, ausreichende körperliche Aktivität und gesunde Ernährung wären demnach, unabhängig von den Genen, veränderbare Einflussfaktoren, die über die Entwicklung einer Demenz mitentscheiden, schreiben die Forscher im Fachblatt „JAMA“. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, kann allerdings ein ursächlicher Zusammenhang zunächst nur vermutet, aber noch nicht als erwiesen angesehen werden.

„Manche Menschen glauben, dass eine Demenzentwicklung aufgrund ihrer Gene unvermeidlich sei“, sagt David Llewellyn von der University of Exeter. „Aber es scheint so zu sein, dass man sein Demenzrisiko durch eine gesunde Lebensweise deutlich verringern könnte.“ Diese Studie zeige erstmals, in welchem Ausmaß sich ein erhöhtes genetisches Demenzrisiko durch den Lebensstil kompensieren lasse, sagt Elżbieta Kuźma, neben Llewellyn ein leitendes Mitglied des Forscherteams.

Die Wissenschaftler nutzten genetische und medizinische Daten der UK Biobank von fast 200.000 Briten europäischer Abstammung, die bei der ersten Datenerfassung mindestens 60 Jahre alt waren und keine Anzeichen einer Demenz zeigten. Aus den individuellen Gendaten ermittelten die Forscher Zahl und Bedeutung sämtlicher bekannter Gene im Erbgut, die mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden sind. Dazu zählt unter anderem die Variante eines Gens für das Apolipoprotein E (APOE4), die die Wahrscheinlichkeit einer Alzheimer-Erkrankung erhöht. Die Ergebnisse ermöglichten die Einteilung der Probanden in drei Gruppen. Zwanzig Prozent hatten ein geringes, genauso viele ein hohes und die anderen ein mittleres genetisches Demenzrisiko.

Über einen Fragebogen machten die Teilnehmer Angaben zu ihrem Tabak- und Alkoholkonsum, zum Ausmaß körperlicher Aktivität und zu ihrer Ernährung. Auch daraus ergab sich aufgrund gesundheitlicher Bewertungen eine Einteilung in drei Gruppen. Positiv bewertet wurden ein nur mäßiger Alkoholkonsum, Verzicht auf Rauchen, gesunde Ernährung und mindestens 2,5 Stunden pro Woche moderate körperliche Aktivitäten oder einmal wöchentlich intensives sportliches Training. Etwa acht Prozent der Teilnehmer bildeten die Gruppe derjenigen mit ungesunder und 62 Prozent derjenigen mit vorteilhafter Lebensweise. Im Zeitraum von durchschnittlich acht Jahren erkrankten 1769 Menschen an einer Demenz.

Die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung war für diejenigen mit einem hohen genetischen Risiko fast doppelt so groß wie für die, deren genetisches Risiko nur gering war. Die Gruppe derer mit ungesunder Lebensweise hatte ein 1,35-fach erhöhtes Demenzrisiko im Vergleich zur Gruppe von Menschen mit gesunder Lebensweise. Eine starke genetische Vorbelastung zusammen mit ungesundem Lebensstil vergrößerte das Demenzrisiko bis zu 2,8-fach. Bei gleichem genetischem Risiko war das Demenzrisiko bei gesunder Lebensweise um 32 Prozent geringer als bei ungesunder Lebensweise. Offenbar beeinflussen sowohl Gene als auch Faktoren der Lebensweise das Demenzrisiko unabhängig voneinander. Eine ursächliche Beziehung vorausgesetzt, könnten daher auch Menschen mit nachteiligen Genen durch gesunde Lebensweise ihr Demenzrisiko stark verringern.

Auf welche Weise Gene und Lebensstil die Wahrscheinlichkeit einer Demenzerkrankung beeinflussen, ist im Einzelnen noch nicht bekannt. Bei den Genen könnte ein Einfluss auf das Immunsystem, den Cholesterintransport oder die Entsorgung defekter Proteine im Gehirn eine Rolle spielen. Faktoren der Lebensweise könnten ihre Wirkung über das Herz-Kreislaufsystem, durch Entzündungshemmung oder aufgrund verstärkter Durchblutung des Gehirns erzielen.



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