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Frankreich lässt zum WM-Auftakt die Muskeln spielen | Sportschau – Startseite


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von Hanno Bode, sportschau.de

Die französischen Fußballerinnen haben ihre Titelambitionen bei der Heim-WM mit einem 4:0 (3:0)-Sieg im Auftaktspiel gegen Südkorea eindrucksvoll untermauert. Die Gastgeberinnen zeigten insbesondere im ersten Abschnitt eine tolle Leistung. Der Premieren-Auftritt von “Les Bleues” hatte allerdings ein kleines “Nebengeräusch”…

Der Anpfiff zum WM-Eröffnungsspiel war am Freitagabend noch gar nicht ertönt, da flossen auf dem Rasen des Parc des Princes in Paris bereits Tränen. Es waren keine der Freude. Valerie Gauvin konnte ihre Enttäuschung über ihre Nichtnominierung in die Startelf nicht verbergen, als sie mit ihren französischen Teamkameraden rund eine Stunde vor Spielbeginn über das Feld des zu diesem Zeitpunkt bereits gut gefüllten Stadions schritt, um ein wenig Atmosphäre zu schnuppern. Völlig überraschend fand sich der Name der 23-Jährigen nicht der Anfangsformation der Gastgeberinnen wieder – zumindest für Außenstehende. Denn wie französische Medien bereits Minuten später berichteten, war die eigentlich bei “Les Bleues” gesetzte Angreiferin in der vergangenen Woche zweimal zu spät zum Training erschienen. Daraufhin habe Trainerin Corinne Diacre der Stürmerin sowie deren Zimmerpartnerin Emelyne Laurent, die es mit der Pünktlichkeit ebenfalls nicht so genau genommen haben soll, angedroht, sie im gesamten Turnier keine einzige Minute einzusetzen, hieß es. Die achte Frauenfußball-Weltmeisterschaft hatte ihr erstes kleines “Skandälchen”. Während Gauvin, die in allen WM-Vorbereitungsspielen von Anfang an spielte, Frust schob, durfte sich Kadidiatou Diani freuen. Die 24-Jährige rutschte für die untröstliche Montpellier-Torjägerin in die Startelf.

Le Sommer sorgt für frühe Führung

Doch die U17-Weltmeisterin von 2012 trat unter den Augen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, Paris’ Bürgermeisterin Anne Hidalgo, FIFA-Boss Gianni Infantino sowie viel Fußball-Prominenz wie David Trezeguet (Welt- und Europameister mit Frankreich) im ersten Abschnitt nicht groß in Erscheinung. Allerdings fiel der eher blasse Auftritt Dianis für “Les Bleues” nicht ins Gewicht. Hatten die Gastgeberinnen beim Abspielen der Nationalhymne, der Marseillaise, noch etwas verschüchtert gewirkt, bestürmten sie nach dem Anpfiff nahezu pausenlos das südkoreanische Tor. Und das keineswegs kopflos oder übermotiviert. Es hatte alles Hand und Fuß, was die Diacre-Mannschaft tat. Die frühe Führung durch Eugenie Le Sommer (9.) trug zudem gewiss zur Beruhigung des angespannten Nervenkostüms bei. Die Angreiferin war nach einem präzisen Pass von Kapitänin Amandine Henry erfolgreich. Dass Letztere bis wenige Tage vor dem Auftaktspiel um ihren Einsatz hatte bangen müssen, weil sie unter der Dusche ausgerutscht war und sich am Rücken verletzt hatte, es war eine weitere Nebengeschichte dieser unterhaltsamen Partie.

Erster Videobeweis bei WM zu Ungunsten Frankreichs

Auch nach dem 1:0 sahen die begeisterten Zuschauer Einbahnstraßen-Fußball in Richtung des südkoreanischen Gehäuses. Der 14. der FIFA-Weltrangliste war hoffnungslos überfordert und stürzte in der Verteidigung von einer Verlegenheit in die nächste. Insbesondere die Standardsituationen von “Les Bleues” machten den Asiatinnen zu schaffen. Sie schafften es nur selten, ein Luftduell zu gewinnen. In der 27. Minute lag der Ball das zweite Mal im Kasten des Außenseiters.
Griedge Mbock Bathy hatte ihn per Seitfallzieher dahin befördert und sich für ihren technisch anspruchsvollen Treffer bereits feiern lassen. Verfrüht, wie sich zeigen sollte. Denn nach dem ersten Videobeweis bei einer Frauen-WM stand fest: Das Tor zählt nicht. Bathy stand beim Abschluss Millimeter im Abseits, wie die Fernsehbilder zeigten.

Renard trifft doppelt

Der Frust bei den Gastgeberinnen über diese korrekte Entscheidung hielt sich allerdings in Grenzen. Ihnen dürfte bewusst gewesen sein, dass weitere eigene Treffer lediglich eine Frage der Zeit waren. Zu schwach war der Kontrahent, als das eine Wende in dieser Begegnung im Bereich der Vorstellungskraft lag. Und so kam es dann ja auch. Abwehrchefin Wendie Renard schraubte sich zweimal eindrucksvoll in die Luft und traf den Ball jeweils perfekt per Kopf (35., 45.+2). Damit war bereits zur Halbzeit beim Stand von 3:0 für den Turnier-Mitfavoriten die Vorentscheidung gefallen. Und die zweifache Torschützin sollte nicht sonderlich überrascht sein, wenn es in Bälde T-Shirts mit ihrem Konterfei und der Aufschrift “Air Renard” zu kaufen gibt.

“Les Bleues” nach der Pause mit halber Kraft

Die Dominanz der Gastgeberinnen hielt auch nach dem Seitenwechsel unvermindert an. Allerdings mangelte es dem Spiel von “Les Bleues” nun ein wenig an Präzision, sodass die Südkoreanerinnen zumindest in der Verteidigung ein paar Erfolgserlebnisse hatten. In der Vorwärtsbewegung blieben die Asiatinnen weiterhin harmlos. Frankreichs Keeperin Sarah Bouhaddi hätte ihren Arbeitsplatz wohl auch verlassen und einen Kurztrip zum Eiffelturm machen können, es wäre vermutlich gar nicht aufgefallen. Mit Ausnahme eines Schusses von Min-a Lee, der deutlich das Ziel verfehlte (77.), entwickelte der Außenseiter keinerlei Torgefahr.

Die Partie plätscherte so wie der Regen den ganzen Tag über in Paris vor sich hin, als Gauvin unter dem Beifall der Fans in der 70. Minute für Delphine Cascarino eingewechselt wurde. Der Abend, der durch die Startelf-Nichtberücksichtigung so furchtbar für sie begonnen hatte, nahm für die 23-Jährige so noch einen halbwegs versöhnlichen Abschluss. Selbiges traf ja irgendwie auch ein wenig auf die Südkoreanerinnen zu. In Hälfte zwei konnten sie zumindest einigermaßen Schadensbegrenzung betreiben und mussten lediglich noch einen Gegentreffer hinnehmen: Henry traf von der Strafraumgrenze zum Endstand (84.).



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