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BUCHTIPP: Leben in kochendem Wasser


Weinheim –

Es ist leichter, ein populärwissenschaftliches Buch über Schimpansen, Ameisen oder Bäume zu schreiben als über Mikroben. Mit seinem neuen Buch „Leben in kochendem Wasser“ versucht Gerhard Gottschalk, Professor für Mikrobiologie und Genetik an der Universität Göttingen, „das Wesentliche der Mikrobiologie praktisch ohne Formeln und Gleichungen“ darzustellen, wie es im Vorwort heißt. Dazu wählt er die Form von „Mikrobengeschichten“: Kein Lehrbuch soll es sein, sondern eine Sammlung von 22 Kapiteln zu ausgewählten Einzelthemen über die erstaunlichen und einzigartigen Fähigkeiten und Eigenschaften der Bakterien und Archaeen.

Behandelt werden das Leben unter extremen Umweltbedingungen, die Stellung in der Evolution des Lebens, die Bedeutung für das Klima und die Stoffkreisläufe der Natur, der Einsatz in der Biotechnologie, die Rolle als Krankheitserreger und als unverzichtbare Symbionten des Menschen. Leichte Kost, unterhaltsame Feierabendlektüre ist das nicht, kann es nicht sein. Denn um einzelne Leistungen von Mikroben verständlich zu machen, sind dann doch früher oder später Erklärungen nötig, die Grundkenntnisse in Biochemie und Molekularbiologie voraussetzen. Aber statt abzuschrecken kann ein solches Buch den biologisch interessierten Laien dazu anregen, die ein oder andere Wissenslücke selbst zu schließen und sich dann auch intensiver mit der Mikrobiologie zu befassen. Kenntnisse über die chemische Natur von Nukleinsäuren und Proteinen, den Aufbau einer Zellmembran, Fotosynthese und Stoffwechsel sind Voraussetzungen dafür, die in der Tat „fantastischen“ Eigenschaften der Mikroben und ihre Bedeutung für das Leben des Menschen in vollem Maße würdigen zu können. Und für den, der tiefer in dieses Fachgebiet eindringen will, gilt leider auch – in Abwandlung eines bekannten Zitats: „Es gibt keinen Königsweg zur Mikrobiologie“.

In einigen Kapiteln hätte vielleicht ein Weniger an Einzelfakten zu einem Mehr an Verständlichkeit und Lesbarkeit beigetragen. So werden im fließenden Text des Kapitels zur Biotechnologie etwa 15 Bakterienarten erwähnt (darunter so schön klingende Namen wie Clostridium saccharoperbutylacetonicum und Oligotropha carboxydovorans), die leicht verzichtbar gewesen wären, wie auch die Beiträge zu DNA-Sequenzierung, PCR, CRISPR und Krebsforschung, die in ihrem Umfang auch nicht so recht zum Titel des Buches passen.

Gerhard Gottschalk: Leben in kochendem Wasser und andere Mikrobengeschichten Wiley-VCH Verlag, Weinheim, ISBN 978-3-527-34680-6, 27,90 Euro



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