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Bonobos suchen gezielt nach Pflanzen mit hohem Jodgehalt


Der Verzehr von Seerosen und Binsengewächsen könnte auch frühen Menschen das Überleben in jodarmen Regionen fernab von Küstengebieten ermöglicht haben

Leipzig –

In der Evolution des Menschen spielte die Ernährung eine entscheidende Rolle. So war der zunehmende Fleischkonsum eine der Voraussetzungen für das starke Wachstum des Gehirns. Um auch fern von Küstenregionen überleben zu können, musste zudem eine ausreichende Versorgung mit lebenswichtigem Jod sichergestellt sein. Dieser Bedarf ließ sich im Landesinneren durch den üblichen Verzehr von Blättern, Früchten und kleinen Beutetieren meist nicht decken. Im Kongobecken Zentralafrikas haben deutsche Biologen Bonobos, die engsten noch lebenden Verwandten des Menschen, dabei beobachtet, wie sie ihren normalen Speiseplan gelegentlich durch Seerosen und Binsengewächse ergänzten, die einen ungewöhnlich hohen Jodgehalt aufweisen. Indem sie in der Nähe von Wasserläufen, Seen und Sümpfen lebten, könnten sich auch Vormenschen mit jodhaltiger Pflanzennahrung versorgt haben, bevor sie Jagdtechniken zum Fischfang entwickelt hatten, berichten die Forscher im Fachblatt „BMC Zoology“.

„Es ist anzunehmen, dass Bonobos einen ähnlichen Jodbedarf haben wie Menschen“, sagt Gottfried Hohmann vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Daher würden die jetzt vorgelegten Ergebnisse auch zeigen, wie indigene Völker, die in das Kongobecken eingewandert sind, ohne künstliche Nahrungsergänzung überlebt haben könnten. Er und seine Kollegen beobachteten zwei Gruppen von Bonobos (Pan paniscus) im Nationalpark Salonga der Demokratischen Republik Kongo. Sie untersuchten Früchte, Blätter und andere Bestandteile von elf Pflanzenarten, die die Menschenaffen als Nahrung nutzten, auf ihren Gehalt an Jod und sieben weiteren Mineralstoffen, darunter Kalzium, Magnesium und Eisen.

Die höchsten Werte für sechs der Mineralstoffe fanden sich in Seerosen (Nymphaea lotus) und Binsengewächsen der Gattung Juncus, die nur in Feuchtgebieten vorkommen. Ihr Jodgehalt von 1,2 beziehungsweise 8 Milligramm pro Kilogramm Trockengewicht war deutlich höher als die meist unter 0,1 liegenden Werte der anderen Pflanzen und erreichte fast die in Meeresalgen enthaltenen Mengen. Insgesamt nahm der Verzehr von Früchten mehr als 60 Prozent der Zeit bei der Nahrungssuche ein. Die im und am Wasser wachsenden Pflanzen fanden die Bonobos nur an zwei Stellen ihrer Lebensräume. Im Schnitt suchten sie diese Orte alle zwei Wochen einmal auf und verbrachten dort drei Prozent der Gesamtzeit ihrer Nahrungssuche. Dabei wählten sie gezielt die Seerosen und Binsen aus und ignorierten andere Pflanzen. Von den Seerosen verzehrten sie hauptsächlich die Pflanzenteile unterhalb der Wasseroberfläche, von den Binsen das weiche Mark des Blattansatzes.

Zwar sei der genaue Jodbedarf von Bonobos noch nicht bekannt, so die Forscher. Der hohe Jodgehalt beider Pflanzen spreche aber dafür, dass die Tiere damit einen beträchtlichen Anteil ihres Jodbedarfs decken könnten. Auch von Schimpansen und Gorillas sei ein Verzehr von Wasser- und Sumpfpflanzen berichtet worden. Den frühen Menschen könnte diese natürliche Jodquelle ausgereicht haben, sich ins Landesinnere auszubreiten, ohne gesundheitliche Schäden durch Jodmangel zu erleiden. Die Autoren halten es für möglich, dass die Nutzung jodreicher Nahrung in Kombination mit einer vermehrten Aufnahme tierischer Proteine den fortschreitenden Prozess von Wachstum und Leistungssteigerung des menschlichen Gehirns eingeleitet hat. Im menschlichen Körper wird Jod hauptsächlich zur Produktion der Schilddrüsenhormone Thyroxin und Triiodthyronin benötigt, die wichtige Funktionen im Stoffwechsel und insbesondere bei der Hirnentwicklung übernehmen.



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